Wenn du Kosmetikprodukte verkaufst, zählt das Etikett zu den wichtigsten Dingen, die stimmen müssen.
Es geht nicht nur darum, das Produkt ansprechend aussehen zu lassen – du musst auch die gesetzlichen Vorgaben erfüllen und den Verbrauchern die nötigen Informationen bieten. Obwohl die Anforderungen je nach Verkaufsland variieren, gibt es einige bewährte Praktiken, die weitgehend anerkannt sind.
Mit diesen Tipps bist du gut vorbereitet, um in Deutschland, den Rest Europas und sogar in die meisten außereuropäischen Märkte einzutreten, ohne dein Etikett bzw. Aufdruck großartig verändern zu müssen.
9 Dinge, die auf deinem Kosmetikprodukt stehen sollten
Hier ist eine Übersicht der neun wesentlichen Informationen, die auf deinem Kosmetikprodukt stehen sollten – unabhängig davon, wo du es verkaufen möchtest.
Wenn du diese “Best Practices” beachtest, erfüllst du die europäischen Kennzeichnungsvorschriften und sorgst dafür, dass dein Etikett in allen europäischen Ländern inklusive Deutschland konform ist.
1. Produkt Name and Funktion
Der beschreibende Name deines Kosmetikprodukts und seine Funktion müssen klar auf dem Etikett stehen, damit Verbraucher sofort verstehen, worum es sich handelt.
Auch wenn das Produkt auf den ersten Blick selbsterklärend erscheint, ist es wichtig, diese Information aufzunehmen, um Missverständnisse über das Produkt oder dessen Zweck zu vermeiden.
Zudem sollten der Name und die Funktion des Produkts immer in der Sprache des Verkaufslandes angegeben werden. In vielen Ländern, inklusive Deutschland und den meisten Europäischen Ländern, ist dies eine übliche Vorgabe.
2. Liste der Inhaltsstoffe (INCI)
Die Liste der Inhaltsstoffe auf einem Kosmetikprodukt muss alle verwendeten Inhaltsstoffe enthalten, geordnet nach absteigender Konzentration. Das bedeutet, dass der Inhaltsstoff mit dem größten Anteil zuerst genannt wird und die kleineren Mengen am Ende der Liste stehen.
Inhaltsstoffe, die in einer Menge von weniger als 1 % enthalten sind, müssen nicht in der gleichen strengen Reihenfolge aufgeführt werden. Sie können in beliebiger Reihenfolge erscheinen, aber müssen trotzdem auf dem Etikett stehen.
Die Namen der Inhaltsstoffe sollten dem International Nomenclature Cosmetic Ingredient (INCI) System folgen, das standardisierte Bezeichnungen für verschiedene Länder und Märkte bietet.
Für natürliche Inhaltsstoffe ist es oft sinnvoll, sowohl den lateinischen Namen als auch den gebräuchlichen Namen anzugeben (z. B. Rosmarinus Officinalis für Rosmarin Extrakt), um es für Verbraucher leichter verständlich zu machen.
3. Name and Adresse der verantwortlichen Person
Auf deinem Etikett muss außerdem der Name und die Anschrift der verantwortlichen Person stehen – also des Unternehmens oder der Person, die das Produkt auf den Markt bringt. Das ist häufig nicht der Hersteller, sondern die Person oder das Unternehmen, das sich um die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben kümmert.
In den meisten Fällen bist du diese verantwortliche Person.
Diese Angabe schafft Transparenz und ermöglicht es Kunden oder Behörden, sich bei Problemen mit dem Produkt an die richtige Stelle zu wenden.
Hier sind einige der zentralen Aufgaben der verantwortlichen Person für Kosmetikprodukte:
- Hauptansprechpartner für die Behörden in Bezug auf das Produkt sein.
- Rechtliche Angelegenheiten im Zusammenhang mit Kosmetikvorschriften im jeweiligen Markt klären.
- Kundenbeschwerden zum Produkt annehmen und lösen.
- Gesetzliche Änderungen überwachen und sicherstellen, dass das Produkt weiterhin den neuen Vorschriften entspricht.
- Die Produktinformationsdatei (PIF) aktuell halten und an die geltenden Vorschriften anpassen.
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4. Nettogewicht oder Volumen
Das Nettogewicht oder Volumen des Produkts muss ebenfalls deutlich auf dem Produkt angegeben werden. So wissen die Verbraucher genau, wie viel sie von deinem Produkt kaufen und können Vergleiche zu ähnlichen Produkten ziehen.
Es ist am besten, sowohl metrische als auch herkömmliche Einheiten (ml/fl oz, g/oz) anzugeben. Damit ist die Mengenangabe sowohl in Europa als auch in anderen internationalen Märkten konform.
- Für Flüssigkeiten: Gib sowohl Milliliter (ml) als auch Flüssigunzen (fl oz) an.
- Für feste oder halbfeste Stoffe: Gib das Gewicht in Gramm (g) und Unzen (oz) an.
5. Mindesthaltbarkeitsdatum oder “Period After Opening” (PAO)
Bei Kosmetikprodukten ist es wichtig, entweder das Mindesthaltbarkeitsdatum ODER die Zeit nach dem Öffnen (engl. Period After Opening: PAO) auf dem Etikett anzugeben, je nach Haltbarkeit des Produkts.
- Haltbarkeit < 30 Monate: Hat das Produkt ungeöffnet eine Haltbarkeit von weniger als 30 Monaten, muss ein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben werden. Dies wird meist mit einem Sanduhr-Symbol oder den Worten „Mindestens haltbar bis“ gefolgt von einem Datum gekennzeichnet.
- Haltbarkeit > 30 Monate: Bei Produkten mit einer Haltbarkeit von mehr als 30 Monaten ist kein Mindesthaltbarkeitsdatum erforderlich. Stattdessen muss das PAO-Symbol verwendet werden, das wie ein offener Tiegel aussieht, mit einer Zahl und dem Buchstaben „M“ (für Monate) in der Mitte. Das zeigt, wie lange das Produkt nach dem Öffnen sicher verwendet werden kann – zum Beispiel „12M“ für 12 Monate nach dem Öffnen.
Beachte, dass bestimmte Produkte, wie Einwegartikel oder Aerosole, möglicherweise kein PAO oder Mindesthaltbarkeitsdatum benötigen, da ihre Haltbarkeit nach dem Öffnen unerheblich ist. Überprüfe daher die spezifischen Vorschriften für deinen Produkttyp.
6. Chargen- oder Lotnummer
Eine Chargen- oder Lotnummer ist entscheidend für die Rückverfolgbarkeit von Kosmetikprodukten.
Sie ermöglicht es Herstellern, eine bestimmte Produktcharge zu verfolgen, um die gesamte Produktionshistorie, einschließlich der verwendeten Inhaltsstoffe, des Produktionsdatums und des Verpackungsprozesses, nachvollziehen zu können.
Das ist besonders hilfreich für die Qualitätskontrolle und bei Rückrufen, falls Sicherheitsprobleme auftreten sollten.
Das Format der Chargen- oder Lotnummer kann je nach Hersteller variieren, besteht jedoch meist aus einer Kombination von Buchstaben und Zahlen, die das Produktionsdatum und den Produktionsort angeben.
In den meisten Fällen musst du dir darüber keine Gedanken machen. Der Kosmetikhersteller deiner Produkte wird die Chargen- oder Lotnummer einfach während der Produktion auf deine Produkte drucken.
7. Anwendungshinweise
Anwendungshinweise auf deinem Kosmetiketikett sind nicht immer gesetzlich vorgeschrieben, aber sie helfen deinen Kunden, die besten Ergebnisse zu erzielen – besonders bei Produkten, bei denen die richtige Anwendung nicht sofort ersichtlich ist.
Diese Anweisungen sorgen dafür, dass Verbraucher das Produkt sicher und effektiv nutzen können. Die Anleitung sollte klar, einfach und so formuliert sein, dass sie für jeden leicht verständlich ist.
Bei komplexeren Produkten, wie einem chemischen Peeling, sind möglicherweise detailliertere Anweisungen nötig als bei einem gewöhnlichen Shampoo.
8. Warnhinweise
Einige Kosmetikprodukte benötigen Warnhinweise aufgrund bestimmter Inhaltsstoffe oder potenzieller Risiken. Diese Warnungen sollten gut erkennbar sein – in der Regel fettgedruckt und auf einem kontrastreichen Hintergrund, damit sie ins Auge fallen.
Produkte mit starken Wirkstoffen wie Retinol, Alpha-Hydroxysäuren (AHAs) oder Beta-Hydroxysäuren (BHAs), die oft in Anti-Aging- und Peeling-Produkten vorkommen, können Hautreizungen verursachen, insbesondere bei übermäßiger Anwendung oder in Kombination mit Sonneneinstrahlung.
Solche Produkte enthalten häufig Warnhinweise wie „Kann Hautreizungen verursachen“ oder „Verwende Sonnencreme und vermeide direkte Sonneneinstrahlung während der Anwendung“, um den Verbrauchern eine sichere Nutzung zu ermöglichen.
In der Regel sollte der Hersteller, mit dem du zusammenarbeitest, dich über alle spezifischen Warnhinweise oder Angaben informieren, die auf dem Etikett deines Produkts erscheinen müssen.
9. Herkunftsland
Wenn du dein Kosmetikprodukt innerhalb der EU verkaufst, es aber außerhalb der EU hergestellt wird, musst du das Herkunftsland auf dem Etikett angeben. Auch wenn du innerhalb der EU produzierst und verkaufst (weshalb du nicht gesetzlich verpflichtet bist), empfehlen wir, das Herkunftsland anzugeben. Diese Transparenz schafft Vertrauen bei den Verbrauchern.
Das Herkunftsland wird in der Regel durch den Ort bestimmt, an dem eine „wesentliche Veränderung“ bzw. der größte Teil der Wertschöpfung des Produkts stattfindet.
Du stellst einen Lipgloss her.
Der eigentliche Lipgloss (Bulk) wird in Italien hergestellt. Dort findet auch die Abfüllung in die Verpackung statt. Die Verpackung (also die Plastikflasche inkl. Applikator) stammt aus China.
In diesem Szenario kannst du deinen Lipgloss definitiv mit “Hergestellt in Italien” kennzeichnen, da der größte und wohl wichtigste Teil der Wertschöpfung hier stattfindet.
Du stellst eine Mascara her.
Die eigentliche Mascara (Bulk) wird in Italien hergestellt. Die Verpackung wird aus China importiert. Die Abfüllung des Bulks in die Verpackung findet dieses Mal in einem dritten Land, Deutschland, statt.
In diesem Szenario ist das Herkunftsland gesetzlich leider nicht eindeutig bestimmbar und letztlich Auslegungssache, ob es mit Italien oder Deutschland gekennzeichnet wird.
Das LG Stuttgart entschied beispielsweise, dass die bloße Montage und Qualitätskontrolle von PC-Bauteilen in Deutschland nicht ausreicht (Az. 35 O 170/02), damit der PC “Made in Germany” ist.
Für Kosmetikprodukte haben wir kein ähnliches Urteil gefunden. Die Abfüllung in Deutschland könnte möglicherweise für eine Kennzeichnung mit “Made in Germany” genügen, wenn diese als hinreichend wesentlicher Herstellungsschritt anerkannt wird.
Genauso gut könnte jedoch Italien als Herstellungsland gelten, da die Formulierung womöglich den größten Anteil des wahrgenommenen Werts darstellt.
5 Tipps, um die Anforderungen an die Kennzeichnung von Kosmetika einzuhalten
Nun, da du die spezifischen Kennzeichnungsvorschriften kennst, lies dir diese wichtigen Tipps durch:
1. Prüfe lokale Vorschriften
Die meisten der hier genannten Kennzeichnungspraktiken sind international anerkannt, aber die Kosmetikvorschriften unterscheiden sich je nach Land, in dem du verkaufst.
Indem du diesen “Best Practices” folgst, kannst du in viele Märkte eintreten, ohne größere Änderungen an deinem Etikett vornehmen zu müssen. Regionen mit strengen Kennzeichnungsregeln, wie die Europäische Union, setzen Standards, die auch in vielen anderen Ländern akzeptiert oder übernommen werden.
Dennoch ist es immer wichtig, die lokale Einhaltung zu überprüfen.
Damit deine Label alle gesetzlichen Anforderungen erfüllen, ist es ratsam, einen rechtlichen Experten, idealerweise jemanden mit Kenntnissen des lokalen Marktes, hinzuzuziehen. Sie können dir helfen, die Einhaltung spezifischer Vorschriften zu prüfen und Übersetzungen zu verifizieren.
2. Schriftgröße & Kontrast für gute Lesbarkeit
Kosmetiketiketten bzw. Drucke müssen eine Schriftgröße haben, die leicht zu lesen ist. Für die meisten Produkte empfehlen wir eine Mindestschriftgröße von 5 pt, jedoch solltest du nie unter 2,5 pt gehen.
Außerdem sollte der Text für eine gute Lesbarkeit einen hohen Kontrast zum Hintergrund haben.
Mit diesem Kontrast-Checker Tool kannst du den Kontrast zwischen zwei Farben prüfen. Du musst nur die Farbe deines Textes und deines Hintergrunds eingeben, und das Tool bewertet den Kontrast auf einer Skala von 0 bis 21. Es zeigt dir auch, ob der Kontrast für kleine Schriftgrößen ausreicht.
Wenn der Text zu klein oder der Kontrast unzureichend ist, wird er unleserlich. Das wird gewertet, als wäre die Information gar nicht vorhanden und erfüllt somit nicht länger den Kennzeichnungsvorschriften.
3. Mehrsprachigkeit
Wenn du in neue Regionen expandierst, solltest du unbedingt die Landessprache überprüfen. In den meisten Ländern wird verlangt, dass die Informationen auf dem Etikett in der offiziellen(n) Sprache(n) der jeweiligen Region stehen.
Das bedeutet, dass der Inhalt deines Etiketts zwar gleich bleiben kann, aber häufig eine Übersetzung notwendig wird, wenn du in neue Märkte eintrittst.
Hier findest du eine vollständige Liste der offiziellen Sprachen nach Ländern.
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4. Primar- vs. Sekundärverpackung
Wenn du entscheidest, ob bestimmte Informationen auf der Primärverpackung (dem Behälter, der das Produkt direkt enthält) oder der Sekundärverpackung (wie einer Papierbox) platziert werden sollen, können die Vorschriften je nach Region und verfügbarem Platz variieren.
Als Faustregel gilt: Wenn auf der Primärverpackung genügend Platz ist, sollten alle erforderlichen Angaben – wie der Produktname, das Nettogewicht, die verantwortliche Person, PAO, Chargennummer, Gebrauchsanweisungen und Warnhinweise – dort aufgeführt werden, selbst wenn sie auch auf der Sekundärverpackung stehen.
Wenn du aus ästhetischen Gründen Platz sparen möchtest, kannst du die Liste der Inhaltsstoffe, die oft viel Platz beansprucht, ausschließlich auf der Sekundärverpackung unterbringen. Denke nur daran, ein „Hand-in-Buch“-Symbol auf der Primärverpackung hinzuzufügen, damit die Kunden wissen, wo sie diese Information finden können.
5. Nimm dir kein Beispiel an großen Marken
Wenn du gerade erst startest, macht es oft Sinn, sich an großen, erfolgreichen Marken zu orientieren. Doch viele große Unternehmen halten sich nicht immer an alle Kennzeichnungsvorschriften.
Obwohl sie auf der Primärverpackung genügend Platz haben, lassen manche wichtige Informationen weg – wahrscheinlich aus ästhetischen Gründen, um das Design schlicht und einfach zu halten.
Aber hier ist der Haken: Diese großen Marken verfügen in der Regel über die rechtlichen Mittel und Ressourcen, um mögliche Klagen oder Bußgelder, die durch das Nichteinhalten der Vorschriften entstehen, zu bewältigen.
Kleinere Marken hingegen haben diesen Luxus nicht.
In der Kosmetikbranche werden kleinere Unternehmen oft von Wettbewerbern verklagt oder geraten in rechtliche Schwierigkeiten, weil ihre Etiketten nicht den erforderlichen Standards entsprechen. Das kann zu teuren Rückrufen oder der Notwendigkeit führen, Produkte neu zu etikettieren – beides kann dein Geschäft ernsthaft schädigen.
Deshalb solltest du keine Abkürzungen nehmen, nur weil es große Marken tun.
Es ist besser, die Kennzeichnungsvorschriften vollständig einzuhalten und Best Practices zu befolgen, um rechtliche Probleme zu vermeiden und deine Marke zu schützen.
Kontaktiere uns: Spare Zeit, Geld und vermeide rechtliche Probleme
Die korrekte Kennzeichnung deines Kosmetikprodukts ist absolut entscheidend, um Vorschriften einzuhalten und teure rechtliche Probleme zu vermeiden. Wenn du sicherstellst, dass deine Produkte die in diesem Beitrag vorgestellten 9 Angaben enthalten, bist du bereit, in den meisten Märkten zu verkaufen – ohne dein Verpackungsdesign ständig überarbeiten zu müssen.
Nimm keine Abkürzungen.
Auch wenn große Marken manchmal bestimmte Details auslassen, sind kleinere Unternehmen einem höheren Risiko ausgesetzt, verklagt zu werden oder teure Rückrufe durchzuführen.
Brauchst du Unterstützung bei der Kennzeichnung deiner Kosmetikprodukte? Kontaktiere uns für ein kostenloses Angebot. Wir bieten alles aus einer Hand, um Kosmetikprodukte auf den Markt zu bringen – ob Private-Label-Services, individuelle Formulierungsentwicklung oder Verpackungsdesign – wir kümmern uns darum.





